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Welt am Sonntag: 14.03.10 Drucken Versenden Bewerten

Glück aus dem Kochtopf

Ayurveda-Gerichte sind gut für Körper und Geist, glaubt Volker Mehl.In seiner Kochschule lehrt der Münchner, sie zuzubereiten.Zuspruch findet er vor allem bei FrauenWer sich falsch ernährt, tut seinem Körper nichts Gutes. Das lernen heutzutage die Kinder bereits im Kindergarten.

Von Katrin Nikolaus

Ayurveda-Gerichte sind gut für Körper und Geist, glaubt Volker Mehl. In seiner Kochschule lehrt der Münchner, sie zuzubereiten. Zuspruch findet er vor allem bei Frauen

Wer sich falsch ernährt, tut seinem Körper nichts Gutes. Das lernen heutzutage die Kinder bereits im Kindergarten. Doch für Erwachsene ist es meist schwierig, die guten Vorsätze umzusetzen. Für viele erschöpft sich die Idee eines gesunden Essens zu Hause bereits darin, faul auf der Couch zu liegen und Schuhbeck, Lafer, Mälzer und Co. beim Kochen im Fernsehen zuzusehen. Dazu gibt es Fertigpizza.

Wer es aber ernsthaft testen möchte, wie sich eine bessere Ernährung positiv auf das Befinden auswirkt, der ist bei Volker Mehl genau richtig. Der 34-Jährige ist auf ayurvedische Küche spezialisiert, die sich an den Grundsätzen der 6000 Jahre alten indischen Heilkunst orientiert. Diese Ernährungsweise hält nicht nur gesund, davon ist Mehl überzeugt, sondern macht sogar glücklich. Und so nannte er auch das Kochstudio, das er vor drei Monaten zusammen mit Geschäftspartnerin Jasmin Kirstein mitten im Glockenbachviertel eröffnet hat: "Koch Dich glücklich".

In diesem Kochstudio geht es nicht um die sogenannte High-End-Cuisine, das zeigt schon die Ausstattung: Ein loftähnlicher Raum, ein riesiger Esstisch, ein paar Arbeitstische mit tragbaren Induktionsplatten, in einer Ecke eine ganz normale Küchenzeile - mehr braucht Mehl nicht für die Vermittlung seiner Kochphilosophie.

"Koch Dich glücklich" liegt unmittelbar neben dem Frauenfitnessstudio My Sportlady, das Jasmin Kirstein vor 25 Jahren gegründet hat. Damals füllte sie eine Marktlücke: ein Studio, in dem ausschließlich Kurse für Frauen angeboten wurden, in den 80er-Jahren vor allem Aerobic in allen Variationen. In den 90ern schwitzten die Klubmitglieder an Geräten, die früher nur Bodybuilder benutzten, und im neuen Jahrtausend setzen körperbewusste Frauen vor allem auf Elemente der klassischen asiatischen Körperbeherrschung wie Yoga und Tai-Chi.

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Dabei stärken sie Körper, Geist und Seele. "Heute wollen Frauen mehr als nur eine gute Figur. Sie wollen sich gut fühlen und einen Ausgleich für die vielen Anforderungen in ihrem Alltag finden", erklärt Kirstein. Und dazu gehört auch eine bewusste und gesunde Ernährung, ist die Yoga-Lehrerin und Ayurveda-Köchin überzeugt. Bei Yoga-Kursen lernten sich die Fitness-Powerfrau Kirstein und der Koch Mehl kennen, und die beiden waren sich schnell einig, dass ein ayurvedisches Kochstudio die optimale Ergänzung für das Frauenfitnessstudio sei.

Die Kurse, die Mehl mehrmals im Monat anbietet, sind auch für Männer offen, die bisher aber deutlich in der Minderzahl sind. Nach einem Abend im "Koch Dich glücklich" ist man noch kein Profi der ayurvedischen Küche, kennt aber zumindest deren Grundlagen. Für das Wohlbefinden ist es wichtig, die Lebensenergien richtig auszubalancieren, zum Beispiel durch Ernährung, sagt Mehl. Das ist von Typ zu Typ unterschiedlich. Die Ayurveda-Lehre kennt drei Typen, die sich in Physiognomie, Vorlieben, Abneigungen und Wesenszügen unterscheiden: Vata (steht für Veränderung), Pitta (Umwandlung) und Kapha (Trägheit). In seinen Kochkursen finden die Teilnehmer heraus, welche Speisen und Gewürze ihnen besonders guttun - und lernen gleichzeitig, wie man sie zubereitet. So wirken bittere und süße Speisen auf den Pitta-Typ, der vor allem durch das Element Feuer geprägt ist, ausgleichend. Dagegen fühlt sich der Vata-Typ, geprägt durch Raum und Luft, mit Milchspeisen und warmen Suppen wohl und sollte bitteres Gemüse eher meiden. Der von Wasser und Erde dominierte Kapha-Typ ist mit scharfen, heißen und bitteren Speisen bestens ausbalanciert. "Je nach Lebensphase ändern sich die prägenden Elemente eines Menschen", erklärte Mehl. Deswegen steigern bestimmte Gerichte das Wohlbefinden bei jungen Menschen und führen bei älteren eher zu Beschwerden.

Weil es sich bei der ayurvedischen Küche nicht um eine Diät mit strengen Vorgaben handelt, ist die Umsetzung relativ unkompliziert. "Meine Rezepte sind für den Alltag gedacht", erklärt Mehl. Er plädiert für drei warme Mahlzeiten am Tag, "denn erwärmte Speisen erleichtern unserem Körper die Arbeit". Das hört sich aufwendiger an, als es ist. Ein warmer Brei aus Haferflocken, Gries oder Hirse mit angedünstetem Obst sei der optimale Start in den Tag, mittags reiche eine Gemüsesuppe mit einem Stück Vollkornbrot und abends dürfe es gern auch Fleisch oder Fisch sein.

Ganz wichtig sind frische Kräuter wie Basilikum, Koriander oder Minze und Gewürze, vor allem Safran, Kurkuma, Kreuzkümmel, Kardamom, Anis und Zimt. Da die ayurvedische Küche keine Verbote kennt, müsse niemand auf Zucker oder Alkohol verzichten, solle beides aber nur in dem Maß genießen, wie es das Wohlbefinden fördert.

Viele Sportler haben die Vorteile der ayurvedischen Küche längst für sich entdeckt. Um sich für die Olympischen Winterspiele in Vancouver fit zu machen, ließ sich zum Beispiel Langläuferin Evi Sachenbacher-Stehle von Mehl beraten. Die Athletin, die seit Längerem mit dem Ayurveda-Koch bekannt ist, wollte vor allem Tipps, wie sie schnell und unkompliziert ayurvedische Speisen in ihrem Olympia-Quartier zubereiten könne, falls ihr die Mannschaftsverpflegung nicht zusage. "Sie hatte dann ein Waffeleisen und einen Thermomix, das ist ein Gerät zum Erwärmen und Zerkleinern, im Gepäck", erzählte Mehl. So konnte sie sich vor den Wettkämpfen mit ihren geliebten Waffeln aus roten Linsen und Suppen stärken.

Auch die Gäste des neuen Nobelhotels "Louis" am Münchner Viktualienmarkt können sich morgens an einem veganen Frühstücksbüfett laben, für das Mehl Rezepte entwickelt hat. Und weil viele Unternehmen heute nach Strategien suchen, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu stärken, hält Mehl häufig Workshops für Kantinenküchencrews. Beim Münchner Radiosender LoRa ist er einmal im Monat mit einer Ayurveda-Kochshow auf Sendung.

Für die Prinzipien der indischen Heilkunst begann Mehl sich zu interessieren, als sein Vater unheilbar erkrankt war: "Ich wollte ihm etwas Gutes tun und kochte Speisen, die er gut vertrug." Nach einigen Umwegen in der Berufswahl - Mehl studierte unter anderem katholische Theologie und absolvierte eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann - konzentrierte sich Mehl von 2006 an ganz auf Ayurveda und machte seine große Leidenschaft, das Kochen, zum Beruf.

Jasmin Kirstein entdeckte Ayurveda, als sie in einer extrem anstrengenden Lebensphase neue Lebensenergie finden musste. "Ich bin stolz darauf, dass unser Kochstudio Menschen hilft, durch gesunde Ernährung ihren Alltag besser zu meistern", sagte Kirstein. Dabei liegen ihr Familien besonders am Herzen: Über die My Sportlady Stiftung finanziert sie Kochkurse für Eltern und Kinder, beispielsweise im Projekt Lichtblick Hasenbergl.

Online: Mehr im Internet unter www.koch-dich-gluecklich.de


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