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Wie wär's mal mit Gemütlichkeit? - Nachrichten welt_print - Reise - WELT ONLINE
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Welt am Sonntag: 07.02.10 Drucken Versenden Bewerten

Wie wär's mal mit Gemütlichkeit?

Im Winterurlaub kann man in gesichtslosen Hotels wohnen - oder in nostalgischen Häusern mit Stil und guter Küche. Fünf Vorschläge

Von Georg Weindl

Puderschnee, ein paar Ski und abends ein gutes Essen - viel mehr braucht es nicht für einen gelungenen Winterurlaub, abgesehen natürlich von der Unterkunft. Die sollte im Idealfall etwas Besonderes sein: nostalgisch, kuschelig und preiswert. Wir haben fünf solcher Herbergen in den Alpen - vom Jagdschloss bis zum Architektenhaus - für Sie zusammengestellt, in denen der Winterurlaub zur romantischen Zeitreise wird.

1. Looshaus, Österreich

Kein Geringerer als der berühmte Bauhaus-Architekt Adolf Loos errichtete vor ziemlich genau 80 Jahren für den Wiener Unternehmer Paul Khuner eine Sommerresidenz am Semmering. Hier, in den waldreichen Bergen südlich von Wien, verbrachte Österreichs feine Gesellschaft gern ihre Ferien. Heute ist das "Looshaus" eine gelungene Mischung aus Landhotel und Architekturmuseum.

Über eine Treppe erklimmt man das steinerne Fundament und betritt das Restaurant, ehemals das Wohnzimmer, das über zwei Etagen reicht und durch das riesige Fenster den Blick auf die Gipfel von Schneeberg und Rax eröffnet. Über die Galerie kommt man zu den Zimmern, die allesamt und bis ins Detail von Loos gestaltet wurden.

Einbauschränke, Wascharmaturen, Lampen, Kleiderhaken und Türgriffe - fast alles ist noch so, wie es Ende der 20er-Jahre von Adolf Loos entworfen wurde. Zum einfachen und unprätentiösen Charakter des Hauses passt auch die Küche der Wirtin Hanna Steiner, die regionale Spezialitäten pflegt, von den Eierschwammerln über Rehgulasch bis zum Mohnpalatschinken. Das perfekte Menü nach einem Tag auf den Abfahrtspisten oder in den fein gespurten Langlaufloipen. Dass das "Looshaus" trotz des stilvollen und einmaligen Ambientes sehr moderate Preise nimmt, ist ein weiterer Pluspunkt.

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Ü/F pro Person ab 38 Euro, Tel. 0043/2666/529 11, www.looshaus.at

2. Bellevue des Alpes, Schweiz

Eine Zeitreise der besonderen Art bietet eines der ältesten alpinen Grandhotels in der Schweiz. Auf der berühmten Kleinen Scheidegg, der Bahnstation direkt unter der Eigernordwand, wo die Zahnradbahn Richtung Jungfraujoch im Berg verschwindet, steht auf über 2000 Meter Höhe das altehrwürdige "Hotel Bellevue des Alpes". Es entstand aus einem 1840 erbauten Gasthaus. Wer von Wengen oder Grindelwald kommend durch die alte Drehtür das Hotel betritt, findet sich plötzlich in der Atmosphäre der 20er- und 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts wieder.

So ist die Halle im damals beliebten viktorianischen Stil eingerichtet, vor der eleganten Bar thronen runde, braune Ledersessel, in den Salons stehen schwere Sofas. Nostalgisches Mobiliar bestimmt auch die eleganten Zimmer. Ein spektakulärer Anblick, der sich - freilich auf andere Art - fortsetzt, wenn man aus den Fenstern schaut: Vom Eiger über die Jungfrau bis zur berühmten Lauberhornabfahrt ist alles versammelt, was die Schweiz so besonders macht.

Doppelzimmer mit Halbpension ab 250 Euro, Tel. 0041/33855/12 12, www.scheidegg-hotels.ch

3. Rifugio Fuciade, Italien

Wer es kleiner und bescheidener mag und dazu noch Ruhe und Einsamkeit im Schnee sucht, für den ist das "Rifugio Fuciade" im Trentino ein reizvolles Ziel. 45 Minuten Fußweg vom San-Pellegrino-Pass entfernt versteckt sich dieses alte Berggasthaus, das sich im 19. Jahrhundert drei Geistliche als eine Art Kartause gebaut haben. Heute pilgern vor allem Feinschmecker zum "Fuciade", die die klassische Trentiner Küche der Wirtsleute Emanuela und Sergio Rossi und ihre Gerichte wie Ravioli mit Wildbirne oder Tortelli mit schwarzen Heidelbeeren und Hirsch schätzen. Hier tafelt man weitab von der nächsten Ortschaft in der einsamen Bergwelt der Dolomiten auf knapp 2000 Metern in herrlichen rustikalen Stuben und kann sich dann in eines der sieben nicht weniger anheimelnden Zimmer im Obergeschoss zurückziehen. Wer nicht im Haus nächtigen will, wird von den Angestellten im Winter auch mit Snowmobilen vom Lokal zurück zur Passhöhe chauffiert. Doch ganz gleich, ob man nur einen kulinarischen Abendausflug ins Hochgebirge oder einen einsamen Winterurlaub plant - eine Reservierung ist im "Fuciade" stets unerlässlich.

DZ/HP ab 60 Euro p. P., Tel. 0039/0462/57 42 81, www.fuciade.it

4. Jagdschloss Kühtai, Österreich

Die Zirbelkiefer ist ein Baum mit vielen guten Eigenschaften. Das wussten schon die Vorfahren von Christian Graf zu Stolberg-Stolberg, Ururenkel von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth von Österreich. Denn Zirbenholz sieht mit seiner feinen, warmen Tönung und Maserung nicht nur gut aus, es hat auch positiven Einfluss auf den Kreislauf. So gesehen könnte man das "Jagdschloss Kühtai" mit seinen Zirbenstuben fast als Bio-Hotel bezeichnen, würde das historische Haus, das 1280 erstmals urkundlich erwähnt wurde, nicht eher wie ein Museum anmuten.

Zwischen Originalmöbeln aus dem 17. Jahrhundert, schweren Kommoden, mächtigen Hirschgeweihen und dick gepolsterten Diwanen, verbringt man auf 2000 Meter Höhe westlich von Innsbruck romantische Tage im Schnee. Alte Schützenscheiben, Schnitzereien an den Wänden, Zimmerschlüssel mit historisch-antiken Anhängern sind weitere Details, die dieses Viersternehaus so speziell und liebenswert machen.

Nach dem Skispaß auf den passablen Pisten von Kühtai und vor dem Gourmetabendessen im Salon bieten sich die Fürsten- und Jägerstuben für einen Aperitif an, oder man unternimmt einen Ausflug in die Sauna. Einen großen Spa sucht man im "Jagdschloss Kühtai" zwar vergebens, aber den braucht man an einem solchen Ort auch nicht. Warum? Während in anderen Berghotels mühsam noble Nostalgie imitiert und alpenländische Romantik inszeniert wird, bietet das "Jagdschloss Kühtai" von oben bis unten authentische Lebensart, da kann man auf Schnickschnack jederzeit verzichten.

Doppelzimmer/Halbpension ab 135 Euro p. P., Tel. 0043/5239/52 01, www.jagdschloss.at

5. Ammererhof, Österreich

Mit adligen Vorbesitzern kann der "Ammererhof" im Raurisertal im Salzburger Land nicht aufwarten. Doch auch das einsame Berggasthaus hat eine interessante Historie. Heute führt das lange Raurisertal in unmittelbarer Nähe zum Gasteiner Tal eher ein Schattendasein und bietet viel Ruhe und Ursprünglichkeit. Vor gut 100 Jahren war das noch anders. Damals wurde hier Goldbergbau betrieben, was neben Bergleuten auch viele Besucher anzog. Hoch oben auf 1600 Meter Höhe in Kolm Saigurn entstand damals ein außergewöhnliches Gasthaus, der "Ammererhof". Er bot nicht nur Toiletten mit Wasserspülung, damals eine Sensation im Tal, sondern auch als erstes Lokal in Österreich elektrisches Licht.

Was damals modern war, wirkt inzwischen nostalgisch - und zieht gerade deshalb wieder Gäste an, die von den urigen Gaststuben und den gemütlichen Gästezimmern mit Panoramadachfenstern begeistert sind. Von der feinen, traditionellen Küche, die die charmanten Wirtsleute Luise Tomasek-Mühlthaler und Sohn Heli pflegen, ganz zu schweigen. Dafür nehmen die Gäste so manche Mühsal auf sich, ist der "Ammererhof" im Winter doch nur zu Fuß oder mit dem Motorschlitten zu erreichen.

Übernachtung mit Halbpension ab 48 Euro p. P., Tel. 0043/6544/81 12, www.ammererhof.at


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